Die wichtigsten Begriffe aus Rückstandsrecht, Toxikologie und Lebensmittelüberwachung — kurz definiert und in den Kontext der EU-Verordnung 396/2005 eingeordnet.
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| ADI | Acceptable Daily Intake — duldbare tägliche Aufnahme in mg/kg Körpergewicht, die ein Mensch lebenslang ohne Gesundheitsschaden aufnehmen kann. Maßstab der chronischen Risikobewertung. Mehr → |
| AOEL | Acceptable Operator Exposure Level — duldbare Exposition für Anwender (Landwirte), die bei der Ausbringung eines Pflanzenschutzmittels nicht überschritten werden darf. |
| ARfD | Acute Reference Dose — akute Referenzdosis für eine einmalige Aufnahme an einem Tag. Maßstab bei kurzzeitig hohen Aufnahmemengen. Mehr → |
| Bioakkumulation | Anreicherung eines Stoffs im Organismus oder entlang der Nahrungskette. Typisch für lipophile, persistente Stoffe wie DDT. |
| Chronic Exposure | Chronische, langfristige Exposition gegenüber einem Stoff über die normale Ernährung. Bewertet gegen das ADI. |
| Acute Exposure | Akute, kurzzeitig hohe Exposition (etwa eine große Portion stark belastetes Obst). Bewertet gegen die ARfD. |
| Dietary Exposure | Aufnahme eines Stoffs über die Nahrung — berechnet aus Verzehrmenge × Rückstandsgehalt ÷ Körpergewicht. Basis des Expositionsrechners. |
| ECHA | European Chemicals Agency — Europäische Chemikalienagentur. Bewertet Wirkstoffe gemeinsam mit der EFSA, insbesondere zur Einstufung (z. B. Krebszeugend). |
| EFSA | European Food Safety Authority — Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit. Erstellt die wissenschaftlichen Gutachten, auf deren Basis MRLs festgelegt werden. |
| Endokrine Disruption | Störung des Hormonsystems durch chemische Stoffe. Ein Kriterium, das zur Nicht-Zulassung oder zum Widerruf führen kann (z. B. Mancozeb). |
| GAP | Good Agricultural Practice — gute landwirtschaftliche Praxis. MRLs orientieren sich an den Rückständen, die bei korrekter Anwendung entstehen. |
| Importtoleranz | Höherer MRL für importierte Produkte, wenn in einem Drittland eine andere, dort zulässige Anwendung erforderlich ist und der Verbraucherschutz gewahrt bleibt. |
| IARC | International Agency for Research on Cancer — WHO-Einrichtung zur Krebsklassifikation. Ihre Einstufungen (z. B. zu Glyphosat) prägen die öffentliche Debatte. |
| Krebsogenität | Krebserzeugende Wirkung eines Stoffs. Ein Hauptkriterium der toxikologischen Bewertung. |
| LOAEL | Lowest Observed Adverse Effect Level — niedrigste Dosis, bei der erstmals schädliche Wirkungen beobachtet wurden. Liegt meist etwas über dem NOAEL. |
| LOQ | Limit of Quantification — Bestimmungsgrenze, also die kleinste Menge, die ein Labor noch verlässlich messen kann. Liegt oft bei 0,01 mg/kg. |
| ML | Maximum Level — Höchstgehalt für Kontaminanten (z. B. Schwermetalle, Mykotoxine), nicht zu verwechseln mit dem MRL für Pestizide. |
| Metabolit | Abbauprodukt eines Wirkstoffs. Einige Metabolite (z. B. ETU bei Mancozeb, R471811 bei Chlorothalonil) sind toxikologisch relevant und in die Rückstandsdefinition einbezogen. |
| MRL | Maximum Residue Level — Rückstandshöchstmenge in mg/kg. Höchste zulässige Menge eines Pestizid-Wirkstoffs in oder auf einem Lebensmittel. Mehr → |
| Multi-Residue Method | Analyseverfahren (z. B. QuEChERS), das Hunderte Wirkstoffe in einer Messung erfasst. Grundlage moderner Lebensmittelkontrollen. |
| Mutagenität | Erbgutverändernde Wirkung. Mutagene Stoffe werden in der EU nicht zugelassen. |
| Neurotoxizität | Schädigung des Nervensystems. Besonders relevant bei Organophosphaten (z. B. Chlorpyrifos), die die Acetylcholinesterase hemmen. |
| NOAEL | No Observed Adverse Effect Level — höchste Dosis ohne beobachtete schädliche Wirkung. Ausgangspunkt für die Ableitung von ADI und ARfD (÷ Sicherheitsfaktor 100). Mehr → |
| Persistenz | Widerstandsfähigkeit eines Stoffs gegenüber Abbau in Umwelt und Boden. Persistente Stoffe können Jahrzehnte nachweisbar bleiben. |
| Processing Factor | Veränderung des Rückstandsgehalts bei Verarbeitung (Waschen, Schälen, Kochen, Trocknen). Kann die Belastung erhöhen oder verringern. |
| RASFF | Rapid Alert System for Food and Feed — EU-weites Schnellwarnsystem für gefährliche Lebensmittel. MRL-Überschreitungen werden hier EU-weit gemeldet. Mehr → |
| Reference Dose | Allgemeiner Begriff für toxikologische Referenzwerte wie ARfD, ADI oder TDI. |
| Reproduktionstoxizität | Schädigung der Fortpflanzungsfähigkeit oder der Entwicklung (entwicklungstoxisch). Führte bei mehreren Wirkstoffen zur Nicht-Verlängerung. |
| Rückstandsdefinition | Festlegung, welche Verbindungen (Wirkstoff + Metabolite) analytisch erfasst und gegen den MRL gerechnet werden. |
| Standard-MRL | Standardwert (meist 0,01 mg/kg) für Wirkstoffe, für die kein spezifischer Wert eingetragen ist oder die nicht zugelassen sind. |
| Stoff von sehr hoher Besorgnis | SVHC-Einstufung unter REACH; Wirkstoffe mit dieser Einstufung werden in der Regel nicht zugelassen. |
| Verordnung (EG) 396/2005 | Zentrale EU-Verordnung über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in Lebens- und Futtermitteln. Mehr → |
| Widerruf | Entzug der Zulassung eines Wirkstoffs; MRLs werden anschließend meist auf die Bestimmungsgrenze gesenkt. |